Angedacht

Der Reformationstag wird Feiertag.

Am 19. Juni 2018 stimmte eine breite Mehrheit der Abgeordneten im Niedersächsischen Landtag dafür, den Reformationstag ab sofort zu einem staatlichen Feiertag zu machen. Ministerpräsident Stephan Weil hatte sich schon in seinem Wahlkampf für dieses Ziel ausgesprochen. Ich war über seinen Vorschlag und dann dieses deutliche „Ja“ aus Hannover überrascht. Die Kritiker höre ich sagen, dass dadurch die Prägekraft des protestantischen Glaubens in unserem Bundesland nicht zunehmen werde; und die Mehrheit der Niedersachsen mit der Bedeutung dieses Tages nichts anfangen könne – was ja von anderen kirchlichen Feiertagen auch gilt. Aber nach der Strahlkraft, die dieser Feiertag 2017 bundesweit in den Medien und an vielen Orten - auch in Arenshorst und in Bohmte - entfaltete, könnten die Kritiker sich auch irren. Ein Abgeordneter betonte in der Debatte, die Reformation sei ein Weltereignis. Mit dieser Aussage hat er, historisch gesehen, Recht. Nach der Trennung von orthodoxer Ostkirche und römisch-katholischer Westkirche im Hochmittelalter hat diese Trennung vor 500 Jahren auch im Westen eine Einheit der Kirche beendet. Das ist das traurige Moment an diesem Tag, dass es den ökumenischen Geschwistern erschwert, ihn mit uns zu feiern. Zugleich ist mit unserer evangelischen Spielart des christlichen Glaubens eine Kirche entstanden, die die Freiheit des Gewissens und demokratische Strukturen gefördert hat. Sicher haben die Landtagsabgeordneten, die für diesen Feiertag stimmten, auch daran gedacht, wie wichtig unser protestantischer Glaube für die Entwicklung einer demokratischen Grundordnung war, nach 1945. Dass auch unsere römisch-katholischen Geschwister und auch andere christliche Kirchen diese Grundordnung mitgestalten, darf dabei nicht vergessen werden. Gewählte Gremien wie Kirchenvorstand, Gemeindebeirat, Kirchenkreistag und Synode gehören zu unserer Kirchenstruktur. Zentraler Auftrag dieses Feiertages an uns ist, für uns zu klären und es auch anderen zu zeigen, warum wir evangelische Christen sind. Worauf kann unser Land nicht verzichten? Ich lande bei den vier Schlagworten der Reformationszeit: „Allein aus Glauben“, „Allein aus Gnade“ „die Bibel allein“ und „Christus allein“. Das sind die Schlagworte, die unsere evangelisch-lutherische Art zu glauben markant machen. Für mich fasse ich das so zusammen: Ich bin evangelischer Christ, weil die Beziehung zu Jesus Christus für mich alles entscheidet. Im Blick auf das Altarkreuz, das meine Augen in jeder Kirche suchen, wird diese Ausrichtung für mich deutlich. Es gibt keine anderen Vermittler zwischen ihm und mir. Ich bin als Christ sozusagen „christusunmittelbar“! So sind die Heiligen für mich zwar Vorbilder, aber keine Gesprächspartner im Gebet. Ich glaube, dass Jesus Christus mich führt, im Leben und im Sterben. Ihm vertraue ich zutiefst. Ich versuche dabei, nach den Geboten der Bibel zu leben, stelle das Gebot zu lieben ins Zentrum. Und dennoch versage ich täglich. Das ist nicht schlimm, weil ich durch seine Gnade ein guter, von Gott geliebter Mensch bin, und nicht durch das, was ich tue. Quelle und Inspiration meines Glaubens ist die Bibel. Die Traditionen der Kirche, die später kamen, müssen sich an Gottes Wort in der Bibel messen lassen. Die Tradition etwa, dass Priester Männer sein müssen und ehelos leben, ist nicht biblisch begründet. Ich bin mit guten ökumenischen Kontakten aufgewachsen und achte Christen anderer Konfessionen. Ich glaube aber nicht, dass wir diesen Feiertag mit unseren römisch-katholischen Geschwistern teilen werden.

In diesem Jahr werden wir ihn in Arenshorst feiern mit dem Besuch unseres Superintendenten Hans Hentschel als Prediger, der rund um diesen Feiertag unsere Gemeinde „visitieren“ wird. Den Vormittag für einen Gottesdienst dabei nutzen zu können, ist ein großer Vorteil. Vor drei Jahren waren wir als Familie mit Freunden am 31. Oktober in Leipzig. In Sachsen ist er seit der Wende Feiertag. Am Vormittag besuchten wir den Gottesdienst in der vollbesetzten Thomaskirche. Und erst am Nachmittag mischten sich verkleidete Halloween-Fans unter die Passanten. Dieser Feiertag ist ein unerwartetes und großes Geschenk an uns Protestanten in Niedersachsen. Machen wir etwas daraus!

 

                                                                                                                                      Pastor Andreas Pöhlmann

Kirchengemeinde Arenshorst